Jugendpolitische Vertretung
2025 – Heute für morgen denken!
Das Motto des Schwerpunktthemas der Vollversammlung am Ende des Jahres 2025 war ja eigentlich der Auftakt in das Jahr 2026, mit Kommunalwahl und der darauf folgenden Resolution des SJR für die Fortführung der guten Zusammenarbeit mit der Stadt Kaufbeuren.
Gleichwohl ist das Wirken des SJR schon 2025 mit zahlreichen grundlegenden neuen Ausrichtungen unter dieses Motto zu stellen „Heute für morgen denken!“
Einen wesentlichen Teil seiner jugendpolitischen Aufgaben nimmt der SJR im Rahmen von Gremien wahr. Als Zusammenschluss der örtlich tätigen Jugendorganisationen stellt die Vollversammlung die oberste Entscheidungsinstanz und das Jugendparlament für Belange junger Menschen in der Stadt Kaufbeuren dar.
Im Mittelpunkt der Frühjahrsvollversammlung standen natürlich die turnusgemäßen Neuwahlen bei denen mit Lucia Hacker, Valentina Ramanzini, Fatma Nur Yildiz und Philippa v. Stillfried-Rattonitz sich gleich vier Vorstandsmitglieder in Sachen „Neue Lebensphase“ vom SJR verabschiedeten. Johanna Roth, Bastian Kaiser, Magdalena Vater und Jan-Luca Ansorge erhielten von der Vollversammlung das Vertrauen und komplettierten die neunköpfige Vorstandschaft.
In der Herbstvollversammlung wurde im Aktiv-Teil durch intensives Arbeiten in Kleingruppen und die Themensammlung aus Sicht der Jugendverbände der Grundstein für den SJR gelegt, sich gemeinsam mit Stadtrat und -verwaltung für eine jugendgerechte Kommunalpolitik einzusetzen.
Mit insgesamt 11 Vorstandssitzungen sowie einer Klausurtagung „stemmte“ der ehrenamtliche Vorstand ein umfangreiches Pensum zumal mit den Arbeitsgruppen Ehrenamtlichenehrung, Haushalt in Eckwerten und Aktivkisten gleich drei neue Formate vorangetrieben wurden. Zugunsten der flexibleren und zeitlich befristeten Arbeitsgruppen hatte sich der neue Vorstand zuvor gegen die bisher wenig effektiven Ausschüsse entschieden. Darüber hinaus standen strategische und jugendpolitische Entscheidungen im Vordergrund. So wurden u.a. Aktionen des SJR zur Bundestagswahl diskutiert sowie eine stärke Förderung und Bezuschussung benachteiligten Kinder und Jugendlicher und mit den Sachgebieten Kinderfreizeit und Jugendgruppen / Projekte Optimierungen in der Organisationsstruktur beschlossen. Mit seiner Bereitschaft, der Stadt Kaufbeuren bei den Budgetverhandlungen für die Jahre 2025 und 2026 entgegenzukommen, gelang ein angemessener Konsolidierungsbeitrag. Sowohl die Beschlüsse der Vollversammlungen des Bayerischen Jugendrings hinsichtlich ihrer Relevanz vor Ort, als auch die Vorbereitung der SJR-Vollversammlung, wurden vom Vorstand bearbeitet.

Das aktuelle Team des ehrenamtlichen Vorstands des SJR Kaufbeuren v.l.n.r.: Tamur Khan (Bayerische Sportjugend), Bastian Kaiser (Jugendkulturinitiative Artistica Anam Cara), Johanna Roth (Wasserwachtjugend), Kilian Proske (Bund der Deutschen Katholischen Jugend), Nina Weber – Vorsitzende (Evangelische Jugend), Jan-Luca Ansorge (Stadtranderholung, Kulturwerkstatt), Emelie Saul (Christliche Pfadfinderschaft Kreuzträger), stellv. Vorsitzender Stefan Weiß (Bund der Deutschen Katholischen Jugend), nicht im Bild: Magdalena Vater (Jugend der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft)
Eckpunkt im Wandel
Der Eckpunkt hat sich im vergangenen Jahr spürbar gewandelt - und damit meinen wir nicht nur das Logo. Während er früher vor allem als offener Treff genutzt wurde, entwickelt er sich zunehmend zu einem Ort des gezielten Austauschs über unterschiedlichste und vielfältiger werdende Themen. Die Nutzung ist dabei bewusster geworden. Fragestellungen werden klarer formuliert und Diskussionen fokussierter geführt. Während vor einiger Zeit noch der Umweltbereich häufiger im Mittelpunkt stand, rücken inzwischen verstärkt Fragen rund um Kinderrechte in den Fokus. Der Anspruch, einen Raum zu bieten, in dem Fragen gestellt werden können – auch solche, für die im Alltag oft kein Platz ist oder bei denen gesellschaftliche Erwartungen eine offene Auseinandersetzung erschweren - bleibt jedoch unverändert. Formate im Sinne von Partizipationsangeboten sowie weitere Veranstaltungen greifen ein breites Spektrum auf, das von psychischer Gesundheit über Medienkompetenz bis hin zu aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen reicht. Gleichzeitig bleibt Raum für offene Gespräche, in denen Entwicklungen gemeinsam reflektiert werden können. So zeigt sich der Eckpunkt als ein sich wandelndes Angebot, das bestehende Ansätze weiterentwickelt und neue Schwerpunkte setzt. Mit dieser Entwicklung ergeben sich auch für die Zukunft vielfältige Möglichkeiten, neue Themen aufzugreifen und den Eckpunkt weiterhin als lebendigen Ort des Austauschs zu gestalten.

Eckpunkt in neuem Licht
Alle Jahre wieder...
... kommt nicht nur das Christuskind, sondern findet auch das Treffen mit den jungen Vertreterinnen und Vertretern der SMVs der weiterführenden Kaufbeurer Schulen statt.
Zwar gab es keine Geschenke zum Auspacken, doch das Team des Schuljahres 2024/25 nutzte die Chance und machte sich die Geschenke einfach selbst:
- Sie nutzten das Angebot des Eckpunkts und trafen sich zu regelmäßigen Austauschtreffen
- Gemeinsam führten sie die Valentinsaktion durch, die ca. 500 Mitschülerinnen und Mitschülern im wahrsten Sinne des Wortes einen Hauch von Süße überbrachte. (Geschenkte Schokolade ist aber auch etwas Leckeres.)
- Sie waren aktiv am Jugendforum beteiligt und
das größte Geschenk machten sie sich und den anderen Jugendlichen in Form einer Freibad-Party. Obwohl der Wettergott an dem Tag nicht bei der Sache war - oder seine Freudentränen über das Engagement nicht ganz verhindern konnte - hatten die jungen Gäste einen tollen Abend und ließen sich von den dargebotenen Einlagen der DJane mitreißen.

DJane Deerly an der Freibadparty
Das bewegt uns: Meinungsbildung im digitalen Raum
Im Rahmen des Projekts „Das bewegt uns“ fand am 12. November ein Workshop in Zusammenarbeit mit dem JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis statt. Dabei setzten sich Jugendliche intensiv mit Fragen der Meinungsbildung im digitalen Raum auseinander. Drei Mitarbeitende des Instituts kamen dazu mit einer Gruppe junger Menschen ins Gespräch, um gemeinsam zu beleuchten, wie Informationen wahrgenommen, eingeordnet und bewertet werden. Im Mittelpunkt standen dabei sowohl die genutzten Medien als auch die Frage, woran Jugendliche erkennen, ob Inhalte vertrauenswürdig sind. Ebenso wurde thematisiert, in welchen Situationen sie ihre Meinung äußern und wann sie sich bewusst zurückhalten. Der Workshop war Teil eines größeren Forschungs- und Beteiligungsprojekts, das darauf abzielt, die Perspektiven junger Menschen sichtbar zu machen und besser zu verstehen, was sie in einer von Unsicherheiten und digitalen Herausforderungen geprägten Zeit bewegt. Die offenen Gesprächsrunden boten Raum für persönliche Erfahrungen und unterschiedliche Sichtweisen, die im weiteren Verlauf dokumentiert und wissenschaftlich ausgewertet werden. Die Ergebnisse fließen in die qualitative Forschung des JFF ein und sollen Impulse für die medienpädagogische Arbeit und die Weiterentwicklung von Beteiligungsformaten zu geben. Dabei wird deutlich, wie wichtig es ist, jungen Menschen Gelegenheiten zur Reflexion und zum Austausch zu bieten, um sie in ihrer Meinungsbildung zu stärken und sie aktiv an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen.

Zwischenergebnisse aus dem Workshop wurden am Flipchart und Plakaten festgehalten
Männerlimit statt Frauenquote - Gleichstellungsdebatte im Eckpunkt
Im Rahmen eines Workshops wurde das Thema Gleichstellung aus einer bewusst ungewohnten Perspektive aufgegriffen und zur Diskussion gestellt. Unter dem zugespitzten Titel „Männerlimit statt Frauenquote – Wie Männer sich für Gleichstellung engagieren können“ ging es vor allem darum, gängige Rollenbilder und gesellschaftliche Strukturen kritisch zu betrachten und die Frage zu stellen, welche Privilegien oft unbemerkt mit männlicher Sozialisation verbunden sind. Dabei standen auch Fragen im Raum, warum Ungleichheiten in Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien für viele Männer im Alltag wenig sichtbar sind und wie sich dies möglicherweise verändern lässt. Für den inhaltlichen Impuls war ein Referent des Instituts für kritische Männerforschung eingeladen, der mit den Teilnehmenden intensiv in den Austausch ging. Der Schwerpunkt lag dabei weniger auf fertigen Antworten als auf dem gemeinsamen Nachdenken und dem Perspektivwechsel, der in den Gesprächen angestoßen werden konnte. Deutlich wurde jedoch auch, dass solche Formate häufig ein Publikum erreichen, das sich bereits mit den Themen beschäftigt oder ihnen zumindest offen gegenübersteht, während andere Perspektiven eher selten vertreten sind. Die Diskussion zeigte anschaulich, wie vielschichtig das Thema bleibt und wie unterschiedlich Zugänge dazu sein können. Gerade darin liegt jedoch auch eine gewisse Herausforderung für zukünftige Angebote, die breiter ansetzen müssen, um mehr Menschen in solche Auseinandersetzungen einzubeziehen und gesellschaftliche Veränderungsprozesse langfristig zu begleiten.
Lesestoff für den Perspektivwechsel aus der Bibliothek der Dinge
Die Bundestagswahl - Holterdiepolter?
Im Vorfeld der Bundestagswahl nahm die U18-Wahl vorgezogener Maßen einen zentralen Platz in unserer Arbeit ein. Sie wurde an mehreren Schulen und in unseren Einrichtungen umgesetzt. In Zusammenarbeit mit engagierten Lehrkräften gelang es uns, zahlreiche junge Menschen zu erreichen und ihre Perspektiven auf Bundespolitik einzubeziehen. Neben der organisatorischen Durchführung der Wahl selbst lag ein besonderer Schwerpunkt auf Gesprächen im öffentlichen Raum. Dabei ging es weniger um konkrete politische Positionen als vielmehr um die Frage, was junge Menschen zur Teilnahme an Wahlen bewegt oder sie davon abhält. Ergänzend interessierte uns, welche Themen sie in der Politik überhaupt ansprechen und wie sie ihre eigene Rolle darin sehen und was wir als Jugendring in Kaufbeuren beitragen können. Die Rückmeldungen zeigten ein vielschichtiges Bild. Ein Teil der Jugendlichen formulierte ein klares Interesse und Verantwortungsgefühl, zugleich wurde aber auch deutlich, dass Unsicherheiten und fehlende Anknüpfungspunkte eine Beteiligung erschweren können. Diese Eindrücke unterstreichen, wie wichtig niedrigschwellige Gesprächsangebote und persönliche Ansprache bleiben, um politische Teilhabe erfahrbar zu machen. Insgesamt wurde sichtbar, dass die Motivation zur Wahlbeteiligung nicht allein durch Information entsteht, sondern durch ernst gemeinten Dialog und die Möglichkeit, eigene Anliegen zu äußern.

Eines unserer Aktionsplakate zur Bundestagswahl 2025
Weißwurst sucht Falafel!
Im September stand mit der Veranstaltung „Weißwurst sucht Falafel“ ein Format im Mittelpunkt, das gezielt auf kulturellen Austausch und Begegnung ausgerichtet war. Die offene Einladung richtete sich an alle interessierten Bürger:innen und war bewusst niedrigschwellig gestaltet. Eigene Speisen konnten mitgebracht und vor Ort mit anderen geteilt werden. So entstand ein vielfältiges Buffet, das nicht nur unterschiedliche Geschmäcker, und kulturelle Hintergründe sichtbar machte. Beim gemeinsamen Essen entwickelten sich Gespräche, die Einblicke in Lebensrealitäten ermöglichten und den interkulturellen Dialog stärkten. Ergänzend bot eine Fotobox-Aktion einen ungezwungenen Zugang zur Begegnung und schuf zugleich bleibende Erinnerungen an das Miteinander. Die Veranstaltung knüpfte damit an zentrale Ziele der Integrationsarbeit an, indem sie Räume für Teilhabe, gegenseitiges Verständnis und respektvolle Begegnung eröffnete. Besonders deutlich wurde, wie gemeinschaftliche Aktivitäten Barrieren abbauen und neue Kontakte entstehen lassen können, ohne dass formelle Rahmenbedingungen im Vordergrund stehen müssen. Gleichzeitig zeigte sich, dass solche Formate Zeit und kontinuierliche Ansprache benötigen, um unterschiedliche Zielgruppen nachhaltig zu erreichen. Insgesamt wurde jedoch deutlich, welches Potenzial alltagsnahe Begegnungsformate für die Förderung von Integration und gesellschaftlichem Zusammenhalt haben.

Unterschiedlichste Menschen unterscheidlicher Kulturen trafen hier zusammen
Wer will fleißige Handwerker:innen sehen ...
... der muss nur auf unsere Spielplätze gehen.
Zu finden sind hier kleine Automechanikerinnen, landwirtschaftlich interessierter Nachwuchs, Piratinnen und Piraten. Natürlich dürfen auch Bauarbeiter:innen nicht fehlen. Es gibt sogar ein Fitness-Training und wer noch seinen Traumprinzen oder seine Traumprinzessin sucht, findet hier auch märchenhafte Gestalten.
Wer sich jetzt fragt, was das mit den Kaufbeurer Spielräumen zu tun hat, sollte diese einfach mal besuchen. Beschrieben ist hier ein bunter Querschnitt an abwechslungsreich gestalteter Spielflächen, die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen.
Auch wenn derzeit über keine neue Eröffnung zu vermelden ist, steckt das Gremium der Kommission für Spiel- und Bewegungsräume den Kopf trotz knapper Finanzen nicht in den Sand.
Das ausgerufene Motto lautet: "Verliert die Kinder nicht aus dem Blick!"
Weiterentwicklung ist ein wichtiges Thema. Unterjährige Arbeitsgruppen sind aufgerufen, Konzepte für die Weiterentwicklung sowie kreative und kostenbewusste Zwischenlösungen zu erarbeiten.
Jede Leserin und jeder Leser darf jetzt schon gespannt sein, über was hier in einem Jahr berichtet wird.

Die Arbeit ruft - fleißige Handwerker:innen - äääh aktive Kids am Werkeln, nein, natürlich am Spielen!